Diabetes: „Gerade dann sollte man Sport machen“
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Diabetes: „Gerade dann sollte man Sport machen“

Die Sorge um den eigenen Blutzuckerspiegel hält viele Diabetiker*innen davon ab, regelmäßig Sport zu betreiben. Dabei lohnen sich regelmäßige Bewegungseinheiten bei Diabetes enorm.

„Diabetiker*innen, die regelmäßig Sport betreiben, verbessern nicht nur ihre Lebensqualität und den Stoffwechsel. Sie senken damit auch ihre Blutzuckerwerte, Blutfette und den Blutdruck. Zusätzlich wird die Insulinsensitivität (d. h. wie der Körper das Insulin aufnimmt) gesteigert – oft besser als mit Medikamenten“, erklärt Dr. Magdalena Popper, Internistin und Kardiologin der Ordinations-Gemeinschaft Cordicum im Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Linz. „Davon profitieren sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetiker*innen. Viele Typ-2-Diabetiker*innen bräuchten gar keine Medikamente mehr, wenn sie sich regelmäßig bewegen“, betont Dr. Popper.

Typ-1-Diabetiker*innen hingegen werden auch trotz sportlicher Betätigung weiterhin Medikamente benötigen – allerdings aufgrund gesteigerten Insulinsensitivität wesentlich weniger davon. Ein weiterer Vorteil: Sportlich aktive Typ-1-Diabetiker*innen bereiten ihren Körper laufend auf etwaige „Akutereignisse“ vor.

Bildrechte: Karolina Grabowska auf pexels.com

Ein Betroffener berichtet

Sport-Physiotherapeut Thomas Gröbl von der Praxisgemeinschaft Top-Physio ist leidenschaftlicher Sportler und Typ-1-Diabetiker. Er möchte Betroffene dazu ermutigen, trotz der Erkrankung ein aktives Leben zu führen.

Menschen mit Typ-1-Diabetes können so gut wie jede Sportart ausüben – und das ohne Leistungseinbußen. Sie können sich genauso verbessern wie ein ‚gesunder‘ Mensch und sollten sich durch die Diagnose auf keinen Fall einschränken lassen. Denn auch mit Typ-1-Diabetes sind sportliche Höchstleistungen möglich, sowohl im Amateur- als auch im Spitzensport bzw. auf Weltklasse-Niveau. Vorausgesetzt, man kennt den eigenen Körper und weiß, wie man den Stoffwechsel bzw. Blutzucker beim Sport einstellen muss“, erklärt Gröbl. Das heißt, den eigenen Körper kontinuierlich trainieren und ihn langsam und kontrolliert an die Anstrengungen beim Training gewöhnen. So wird die eigene Belastbarkeit erhöht.

Personen, die hingegen weder Kraft- noch Ausdauertraining machen, laufen viel eher Gefahr, in der Nacht oder im Alltag in eine „Unterzuckerung“ zu fallen.

Bildrechte: Andrea Piacquadio auf pexels.com

Routinen entwickeln und dranbleiben

In sportliche Aktivitäten reinzukommen, kostet Überwindung, meint auch Physiotherapeut Gröbl. Darum sei es umso wichtiger, für sich selbst eine gute Strategie zu entwickeln, die auch über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten werden kann.

Oft sind es recht einfache Aktivitäten, die sich in den Alltag integrieren lassen: Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen, oder den Heimtrainer – der bei vielen meist als Kleiderablage verwendet wird – ein- oder zweimal die Woche zu benutzen. Wurde diese erste „Hürde“ gemeistert und ein individueller Trainingsplan gefunden, dann haben Betroffene schon viel erreicht. „Versuche ich hingegen, Sport zu vermeiden, so wird sich meine Krankheit nicht von selbst verbessern“, ist der Therapeut überzeugt.

Bildrechte: Foto von Kouji Tsuru auf unsplash.com

Vor dem Sport zur Untersuchung

Bevor Diabetiker*innen (wieder) mit regelmäßigen Sporteinheiten starten, sollten sie sich sportmedizinisch untersuchen lassen. Dabei erfahren sie, wie leistungsfähig ihr Körper speziell bei längerer und intensiverer Belastung ist.

„Manche Menschen mit Diabetes spüren Brustschmerzen, die als typisches Warnzeichen für einen Herzinfarkt gelten, aufgrund einer Schädigung der Empfindungsnerven nicht. Es können zudem bereits Verkalkungen in den Gefäßwänden bestehen, auf die entsprechend reagiert werden muss. Und auch Vorerkrankungen (Herzerkrankung, Atherosklerose etc.), die ein Training unter Umständen gefährden, gilt es zu berücksichtigen“, betont Dr. Popper. Zudem können Mediziner*innen bei der Planung des Trainings sowie der Insulin- und Kohlenhydratversorgung helfen.

Der Einsatz eines Glucose-Sensors bietet dabei übrigens vielen Diabetiker*innen eine gewisse Sicherheit. „Denn durch den Blick auf das Handy-Display sehen sie nicht nur den aktuellen Blutzuckerwert, sondern bekommen auch ‚Trend-Pfeile‘ angezeigt. Sie erfahren also, ob in den nächsten Minuten der Blutzucker eher fallen wird, konstant bleibt oder ansteigt“, berichtet Thomas Gröbl, der die Vorteile dieses Systems schätzt.

Sportcheck bei Diabetes

Die Ärztin bzw. der Arzt erfragt im Rahmen dessen die sportlichen Ziele, Beschwerden und Vorerkrankungen. Anschließend folgt eine ausführliche körperliche Untersuchung. Blutdruck, Körpergröße und Gewicht werden gemessen. Mit einem Ruhe- und Belastungs-EKG prüft man die Herzgesundheit. Teilweise ist auch ein Lungenfunktionstest – anhand dessen sich beurteilen lässt, wie die Person auf intensive körperliche Belastungen reagiert – enthalten. Sportchecks werden immer individuell abgestimmt und dauern knapp zwei Stunden.


Autor
Redaktion Gesundheitspark
Veröffentlichungsdatum
25.07.2023
Themen
Bildrechte oben: Emilija Milenkovic auf iStock.com

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