Die Haut vergisst nicht
Im Internet und auf Social Media kursieren derzeit viele Trends und Tutorials zum Thema Hautgesundheit. Dabei stößt man auf Tipps, wie eine 7-Schritte-Pflegeroutine oder gar Anti-Aging im Kindesalter. Was für eine gesunde Haut wirklich zählt, darüber sprechen drei Expertinnen aus dem Gesundheitspark-Netzwerk.
Gebräunte Haut gilt in der westlichen Welt nach wie vor als Schönheitsideal. Dass dabei jedoch die Gesundheit leidet, ist mittlerweile sehr wohl bekannt, vor allem in der jüngeren Generation.
Und trotzdem: Solange gebräunte Haut als Schönheitsfaktor gilt, wird der Sonnenschutz weiterhin als stiefmütterliches Thema behandelt, so Dr. Andrea Oßberger, Fachärztin für Plastische, Ästhetische und rekonstruktive Chirurgie im Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Linz: „Wir müssen uns im Kopf behalten: Die Haut vergisst nicht!“
UV-Strahlen werden gespeichert
Damit d‘accord geht auch Dr. Evelyn Durnig, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie. Die Partnerin des Gesundheitsparks Barmherzige Schwestern Linz erklärt: „Die Zelle hat einen UV-Zähler eingebaut, ähnlich wie ein Stromzähler, und speichert jeden UV-Strahl ab, der sie trifft. Wenn man zum Beispiel im Winter eine Stunde draußen spazieren geht, bekommt man keinen Sonnenbrand – aber die Zellen merken sich das trotzdem.“
Ist das Limit der Zellen erreicht, kann weißer Hautkrebs auftreten – und das auch, wenn man noch nie im Leben einen Sonnenbrand hatte. Oberste Priorität bei der Hautpflege hat deshalb ein täglicher Sonnenschutz. „Viele Menschen haben immer noch das Gefühl, dass sie mit einem 50er-Faktor nicht braun werden – ein Irrglaube. Durch den Sonnenschutzfaktor verlängert sich ganz einfach die Zeit, die ich in der Sonne verbringen kann“, so Mag. pharm. Karin Hössl, Leiterin der Armonia Apotheke, welche Teil des Gesundheitsparks Göttlicher Heiland Wien ist.
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Weniger ist mehr
Allgemein gehe der Trend erfreulicherweise dahin, dass sich die Menschen in ihrer Haut wohlfühlen wollen, so Dr. Oßberger. Vor allem bei jüngeren Personen steigt hier das Bewusstsein für eine gesunde Haut. Hier spielen Social Media und diverse Beauty-Trends eine große Rolle – auch wenn dabei oftmals übertrieben wird.
Für eine gesunde Haut ist keine 7-Schritte-Pflegeroutine notwendig, so die Fachärztin: „Keep it simple, viel hilft nicht unbedingt immer viel. Auch die Überpflegung kann ein Problem schaffen.“
Das A und O für eine gesunde Haut sind die Reinigung, Pflege je nach Hauttyp und ein täglicher Sonnenschutz, so die drei Gesundheitspark-Expertinnen.
Keine falschen Erwartungen
Sucht man im Internet nach Hautpflege-Tipps begegnet man auch Begriffen wie Hydrafacial, Microneedling und Lasertherapie – Behandlungen, die zu einer frischeren, jüngeren Haut beitragen können.
Dr. Oßberger rät vorab zu einer sorgfältigen Recherche sowie zu einem Beratungsgespräch bei der Ärztin oder beim Arzt, denn: „So individuell wie die Menschen sind, ist es auch ihre Haut. Außerdem muss man für manche Behandlungen eine gewisse Ausfallszeit einrechnen, etwa weil danach die Sonne gemieden werden muss. Im gemeinsamen Gespräch sollte man herausfinden, was man machen will und kann.“
Auch wenn viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen, warnt Dr. Oßberger davor, mit unrealistischen Erwartungen an die Sache ranzugehen: „Es gibt keine Methode, die auf Anhieb alles löst. Gesunde und gepflegte Haut ist ein kontinuierlicher Weg, den man gehen muss.“
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Spieglein, Spieglein an der Wand
Durch den medizinischen Fortschritt steigt die Lebenserwartung der Menschen und damit auch die Zeit, in der man der UV-Strahlung ausgesetzt ist und damit wiederum das Risiko von Hautkrebs. Menschen, die viele Muttermale, einen hellen Hauttyp oder Hautkrebs-Risiko in der Familie haben, sollten einmal jährlich zur hautärztlichen Kontrolle gehen. Daneben ist aber auch die Selbstkontrolle sehr wichtig, so Dr. Durnig.
Die Dermatologin empfiehlt eine halbjährliche Betrachtung der Haut daheim vor dem Spiegel: „Gesucht wird nach einem statistischen Ausreißer unter den Muttermalen. Dabei geht es vor allem um den Farbton und die Farbzusammensetzung der Muttermale. Auffällig sind Muttermale, die zwei oder mehr Farben unsymmetrisch verteilt haben, oder Muttermale mit einem einzigartigen Farbton – einen, den ich sonst nirgends habe.“ So kann ein mögliches Melanom frühzeitig erkannt und dann behandelt werden.
7 Tipps für eine langfristig gesunde Haut
Hautpflege – Zweimal täglich reinigen und je nach Bedarf pflegen.
Sonnenschutz – Täglich, idealerweise mit Lichtschutzfaktor 50.
Nachschmieren – Wird längere Zeit in der Sonne verbracht, muss der Sonnenschutz aufrechterhalten werden.
Nicht überpflegen – Weniger ist oftmals mehr.
Beratung und Recherche – Bei Hautbehandlungen vorab informieren und von Expertinnen* und Experten* beraten lassen.
Vorsorge – Menschen mit vielen Muttermale, einem hellen Hauttyp oder Hautkrebs-Risiko in der Familie sollten einmal jährlich zur Kontrolle gehen.
Selbstkontrolle – Veränderungen beobachten, etwa bei Muttermalen, trockenen Hautstellen, usw.
Pflege nach dem Duschen
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Die oberste Hautschicht ähnelt im Aufbau einer Ziegelmauer, bestehend aus Ziegelsteinen, den Hornzellen und dem Mörtel, dem Lipidschutzfilm, der die Ziegelsteine zusammenhält. Nach dem Duschen hat unsere Haut nur kurzfristig die Fähigkeit, Wasser zu speichern. Daher ist es vor allem für Menschen, die zu einer trockenen Haut neigen, wichtig:
Nach dem Wasserkontakt die Haut kurz mit einem Handtuch abtrocknen und innerhalb von 1 bis 2 Minuten eine rückfettende Pflege auftragen.
Durch das schnelle Auftragen der rückfettenden Pflege bleibt das abgespeicherte Wasser in den Ziegelsteinen erhalten, die Haut trocknet also nicht aus.
Wartet man zu lange und die Haut fängt an zu spannen, ist es eigentlich schon zu spät.
Wirkstoffe, die der Haut helfen
In der Armonia Apotheke bemerkt Karin Hössl eine steigende Beliebtheit von Wirkstoffkonzentraten, mit welchen die eigene Pflegecreme aufgepeppt werden kann. Das sind zum Beispiel:
Vitamin E
Vitamin C
Koffein
Mandelsäure
Argireline – aufpolsternd, „Botox für den Hausgebrauch“
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