Erst ignoriert, dann ausgebrannt: Ein Burnout kommt in kleinen Schritten
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Erst ignoriert, dann ausgebrannt: Ein Burnout kommt in kleinen Schritten

Unter dem Burnout-Syndrom wird eine spezielle Form des „Ausgebranntseins“ verstanden. In den 1970er-Jahren wurde es erstmals beschrieben.  Im Gegensatz zu anderen psychischen Krankheiten, ist beim Burnout eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung vorhanden, da es mit hoher Leistungsbereitschaft in Verbindung gebracht wird.  

Laut einer aktuellen Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO ist das Burnout-Syndrom eindeutig eine Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird.  

Es äußert sich durch ... 

1) ein Gefühl der Erschöpfung, 

2) eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zur beruflichen Tätigkeit sowie 

3) eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. 

Die eigene Erschöpfung wird meist unterschätzt

Doch wie viel Belastung ist zu viel? Bei deinem Smartphone kannst du genau ablesen, wie hoch oder niedrig der Akkustand deines Geräts ist. Dank deiner Erfahrung weißt du, wie lange dein Handy benötigt, damit es wieder aufgeladen ist.  

Bei uns Menschen ist das leider nicht so einfach. Wenn unser körperlicher und psychischer „Energiehaushalt“ längerfristig aus dem Gleichgewicht gerät, nehmen wir die Warnzeichen oft nicht ernst genug. Das liegt auch daran, dass uns einzelne Beschwerden mehr beschäftigen als andere – wir sehen den Zusammenhang nicht.  

Beim Burnout finden wir je nach Stadium (siehe Infobox „Der Burnout-Prozess“) körperliche, emotionale, geistige und verhaltensbezogene Krankheitszeichen, die zusammen gravierender sein können als gedacht. Es ist viel Erfahrung nötig, um ein Burnout von anderen psychischen Krankheiten oder Störungen wie z. B. Depressionen abgrenzen zu können. Seriöse Selbsttests aus dem Internet können einen ersten Anhaltspunkt bieten (siehe Infobox „Burnout-Selbsttest“).

Viele Menschen neigen dazu, ihre Energiereserven zu überschätzen – selbst, wenn sie sich bereits sehr erschöpft fühlen. Es kommt zu typischen Aussagen wie „Das schaffe ich schon noch“, „nur einen Monat noch, dann ...“ und „bald wird es besser werden“.  

Dieses Überschätzen der Energiereserven erklärt auch, wieso ein schweres Burnout manchmal scheinbar aus dem Nichts auftritt. Denn rückblickend leiden die Betroffenen bereits seit einigen Jahren an Symptomen – etwa, wenn freie Wochenenden oder Urlaube nicht mehr ausreichen, um nachhaltig Energie aufzutanken. Ein Warnzeichen, das auf ein Burnout hinweisen kann. 

Foto: Marek Omasta – Unsplash

Wenn Wochenenden nicht mehr reichen, um Energie aufzutanken, dann ist das ein Warnsignal.

Nicht einfach nur „viel Arbeit“

Bei einem Burnout spielen sowohl berufliche als auch persönliche Faktoren zusammen. 

Im Arbeitsalltag können dauerhafte Unter- oder Überforderung, anhaltender Zeitdruck, übermäßige Kontrollen von außen, ständige Erreichbarkeit oder fehlende Anerkennung belasten. Deshalb sollten Arbeitgeber*in und Vorgesetzte in die Burnout-Prävention einbezogen und Arbeitsplätze auf Gefahren durch psychische Belastungen untersucht werden. Manchmal kann auch eine sogenannte „Gratifikationskrise“ zum Burnout beitragen. Damit ist gemeint, dass Menschen für ihre Leistungen keine oder kaum Anerkennung durch die Vorgesetzten oder Arbeitgeber*in erhalten.  

Persönliche Merkmale spielen ebenso eine wichtige Rolle. Dazu zählen Schwierigkeiten, „Nein“ sagen zu können oder Grenzen zu ziehen. Oft stehen Perfektionismus oder ganz individuelle, durch die Erziehung vermittelte Bewältigungsmuster dahinter. 

Jung, engagiert, liebenswürdig und ausgebrannt?

Wenig überraschend ist, dass Mitarbeiter*innen des Sozial- und Gesundheitswesens eine besonders gefährdete Berufsgruppe sind. Eine Erhebung, die 2017 im Auftrag des Sozialministeriums durchgeführt wurde, ergab, dass unter 30-Jährige besonders häufig von Burnout betroffen sind. Eine weitere gefährdete Altersgruppe sind die 50-58-jährigen. 2017 litten von den 900 Befragten 8 % an einem Burnout und 36 % an einem Vorstadium.  

Würde man das Profil einer typischen Burnout-gefährdeten Person erstellen, wäre diese hochmotiviert, engagiert, leistungsbereit, perfektionistisch, harmoniebedürftig und idealistisch. 

Wer hilft bei Burnout?

Je früher ein Burnout erkannt wird, desto besser. Folgende Fachexpert*innen können dir helfen: 

  • Fachärzt*innen für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)  

  • Allgemeinmedizin*innen, um gezielte Ansprechstellen zu finden 

  • Psychotherapeut*innen 

  • Klinische Psycholog*innen 

  • In akuten Fällen: Spitalsambulanz für Psychiatrie 

Passende Expert*innen kannst du hier suchen.

Der Burnout-Prozess

Der Burnout-Prozess umfasst 12 Stufen. Mit zunehmendem Fortschreiten entstehen Depressionen, fehlgeleitete Versuche der Selbstmedikation (z. B. mit Alkohol) oder körperliche Beschwerden, die mit chronischem Stress und seinen Auswirkungen in Zusammenhang stehen. Es ist daher wünschenswert, den Burnout-Prozess möglichst früh zu erkennen und abzufangen. 

Tipp: Das ZDF hat eine grafische Darstellung des Burnout-Prozesses veröffentlicht.

Der Burnout-Selbsttest

Einen seriösen, wissenschaftlich geprüften, allerdings kostenpflichtigen Burnout-Test bietet das Burnout Institut Norddeutschland.


Autor
Mag. Bettina Gregor (Bearbeitung: Redaktion Gesundheitspark)
Veröffentlichungsdatum
27.09.2023
Foto: Dogukan Sahin - Unsplash

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