Guter Schlaf beginnt mit Bewusstsein
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Guter Schlaf beginnt mit Bewusstsein

Schlafstörungen sind weit verbreitet – werden aber häufig bagatellisiert. Dabei geht es um mehr als Müdigkeit: Wer dauerhaft schlecht schläft, gefährdet seine körperliche und psychische Gesundheit. Zwei Expert*innen aus unserem Netzwerk sprechen über gestörte Schlafmuster, die Volkskrankheit Schlafapnoe und moderne Therapieansätze.

Stell dir vor, du wachst auf und fühlst dich erholt. Klar im Kopf, stark im Körper. Für viele ist das selten geworden. Dabei ist guter Schlaf kein Zufall. Er ist messbar und behandelbar.

Matthäus Krol, BSc. MSc. MBA, Schlafexperte und Bereichsleiter des Schlaflabors am Krankenhaus Herz-Jesu Wien, bringt es auf den Punkt: „Guter Schlaf ist die Grundlage unserer körperlichen und seelischen Stabilität. Wer ihn vernachlässigt, riskiert ernsthafte Folgen – doch man kann viel tun, um seinen Schlaf entscheidend zu verbessern.“

Auch Psychotherapeutin Mag. Elisabeth Feizelmeier vom Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Linz bestätigt: „Schlechter Schlaf ist oft das erste Warnsignal bei psychischer Belastung, Stress oder innerer Unruhe.“

Wenn der Körper Alarm schlägt

Nachts läuft unser Körper auf Hochtouren: Er regeneriert, repariert und verarbeitet Erlebtes. Gerät dieser Prozess ins Stocken, wird das schnell zur Belastung.

„Viele Menschen kommen mit ganz anderen Beschwerden in meine Praxis und erst bei der Anamnese zeigt sich, dass schlechter Schlaf eine große Rolle spielt“, erklärt Feizelmeier. Schlafexperte Krol ergänzt: „Wenn der Schlaf nicht funktioniert, leidet der gesamte Organismus – vom Immunsystem bis zur Psyche.“

Christopher Lemercier - Unsplash

Warum wir schlechter schlafen als früher

Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, unsere Zeit zu gestalten, und noch nie so viele Gründe, nachts wach zu liegen. Dauerstress, Schichtarbeit, familiäre Belastungen oder Sorgen lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Dazu kommen:

  • Smartphone- und Bildschirmlicht bis spät in die Nacht

  • Lichtverschmutzung durch Straßenbeleuchtung, etc.

  • Unregelmäßige Schlafzeiten

Krol erklärt: „Das blaue Licht unserer Geräte stört die Melatoninproduktion – das bringt unseren Schlafrhythmus durcheinander, oft unbemerkt.“ Das Ergebnis: Viele Menschen erreichen nicht mehr die erholsamen Tief- und REM-Phasen. Sie wachen müde auf, obwohl sie „lange genug“ geschlafen haben.

Obstruktive Schlafapnoe – gefährlich und unterschätzt

Ein besonders häufiges, aber oft unentdecktes Schlafproblem ist die Schlafapnoe – eine Atmungsstörung mit teilweise drastischen Folgen. Betroffene fühlen sich tagsüber erschöpft, ohne zu wissen, warum.

Der Schlafexperte erläutert: „Bis zu 120 Atemaussetzer pro Stunde sind möglich, jeder einzelne wird vom Körper mit einem Weckimpuls beantwortet. Das ist enormer Stress und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes.“

Vladislav Muslakov - Unsplash

Nicht nur die „üblichen Verdächtigen“

„Viele denken, Schlafapnoe betrifft nur ältere, übergewichtige Männer“, führt der Schlafexperte weiter aus. „Das ist ein Irrtum.“ Schätzungen zufolge ist etwa jede dritte Person betroffen – ein großer Teil davon bleibt jedoch undiagnostiziert.

Schlafapnoe kann bei sehr unterschiedlichen Menschen auftreten – etwa:

  • Kinder mit vergrößerten Mandeln

  • Junge Erwachsene unter Dauerstress

  • Frauen nach den Wechseljahren – mit eher untypischen Symptomen wie depressiver Stimmung oder Konzentrationsproblemen

Chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Stimmungsschwankungen werden oft falsch eingeordnet – dabei steckt dahinter nicht selten eine nächtliche Atemstörung. Fehldiagnosen wie Burnout oder Demenz sind keine Ausnahme.

Dein Schlafzimmer als Schlaflabor

Smartwatches und Schlaf-Apps können das Bewusstsein für den eigenen Schlaf fördern, ersetzen aber keine medizinische Diagnostik. Krol betont: „Solche Geräte liefern zwar Anhaltspunkte und unterstützen uns bei der Anamnese, sind aber zu ungenau für verlässliche Diagnosen.“ Mag. Feizelmeier warnt zudem: „Wer sich zu sehr auf Selbstbeobachtung fixiert, setzt sich oft zusätzlich unter Druck und genau das stört den gesunden Schlaf.“

Einen entscheidenden Fortschritt bieten telemedizinische Schlafanalysen, wie sie im Herz-Jesu Krankenhaus Wien eingesetzt werden. Mit bis zu 5.000 Kontakten und 2.500 Patient*innen pro Jahr betreibt das Krankenhaus die größte telemedizinische Schlafambulanz Österreichs.

Der große Vorteil: Analyse und Verlaufskontrolle finden direkt im eigenen Zuhause statt. Das spart nicht nur Zeit und Wege, sondern senkt auch die Hemmschwelle für Betroffene, sich Hilfe zu holen.

Jakub Zerdzicki - Unsplash

Individuelle Lösungen statt Standardtipps

Vom kühlen Schlafzimmer bis zur vollständigen Dunkelheit – es gibt viele Empfehlungen, die sich in der Praxis bewährt haben und erholsamen Schlaf fördern sollen (siehe unten). Doch nicht alles hilft jedem gleich gut.

Mag. Feizelmeier bringt es auf den Punkt: „Jede*r schläft anders. Wer erkennt, was ihm oder ihr Ruhe und Sicherheit vermittelt, schläft besser.“ Ihr wichtigster Tipp: Finde heraus, was dir persönlich guttut.

Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Es gibt Warnsignale, die du nicht auf die leichte Schulter nehmen solltest:

  • Ständige Müdigkeit trotz scheinbar ausreichendem Schlaf.

  • Einschlafprobleme oder häufiges nächtliches Aufwachen.

  • Konzentrationsstörungen, Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen.

Krol betont: „Solche Symptome sind ernst zu nehmen, denn oft steckt eine behandelbare Schlafstörung dahinter.“

Schlaf ist aktive Gesundheitsvorsorge

„Schlaf verdient mehr Aufmerksamkeit – medizinisch, gesellschaftlich und individuell“, betonen die beiden abschließend. Denn: Wer gut schläft, stärkt nicht nur Körper und Psyche, sondern investiert aktiv in langfristige Gesundheit und Lebensqualität.

Lucy Mui - Unsplash

7 Tipps für besseren Schlaf

  1. Regelmäßiger Rhythmus – jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und aufstehen.

  2. Kein Blaulicht – mindestens 1 Stunde vor dem Schlafen keine Screens.

  3. Kühles Schlafzimmer – optimal sind 18–20 °C.

  4. Dunkelheit – keine LEDs oder Lichtquellen.

  5. Kein Koffein – ab dem Nachmittag meiden.

  6. Powernaps – maximal 20 Minuten tagsüber.

  7. Warnsignale ernst nehmen – bei chronischer Müdigkeit Hilfe holen.

Schlaf ist nicht gleich Schlaf

Slaapwijsheid NL - Unsplash

Während der Nacht durchläuft unser Körper verschiedene Phasen:

  • Leichtschlaf: Übergang vom Wachzustand zum Schlaf

  • Tiefschlaf: Körperliche Erholung, Immunsystem

  • REM-Schlaf: Emotionale Verarbeitung, Gedächtnisbildung

Schlafzyklus & Schlafdauer

Ein Schlafzyklus dauert etwa 90 Minuten und wiederholt sich mehrfach pro Nacht. Wird er gestört, drohen langfristig Folgen wie Müdigkeit, Depression oder Diabetes.

Die ideale Schlafdauer ist altersabhängig. Erwachsene brauchen im Schnitt 7 bis 9 Stunden Schlaf.

Du möchtest deinen Schlaf verbessern?

Du fühlst dich morgens müder als am Abend? Dein Umfeld bemerkt Schnarchen oder Atemaussetzer?

Dann sprich mit unseren Expertinnen* und Experten* im Netzwerk. Bei Schnarchen mit Atemaussetzern ist ein Schlaflabor wie das Herz-Jesu-Krankenhaus Wien die richtige Anlaufstelle.

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Autor
Alexandra Neureiter / Redaktion Gesundheitspark
Veröffentlichungsdatum
28.05.2025
Foto: Freestocks - Unsplash

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