Mit Bildung und Lebensfreude gegen Demenz
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Mit Bildung und Lebensfreude gegen Demenz

Unter dem Begriff Demenz werden unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst, die zu einem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit führen. Genauso vielfältig sind die Faktoren, die eine Demenz begünstigen. Einige davon kannst du leider nicht beeinflussen – andere hingegen schon. 

Die bekannteste und häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Demenz, die etwa zwei Drittel aller Fälle ausmacht. Bei ihr bilden sich um die Gehirnzellen Eiweißablagerungen („Beta-Amyloid-Plaques“) und in den Nervenzellen fadenförmige Strukturen, unter anderem aus dem Eiweiß Tau. Diese führen dazu, dass die Nervenzellen nicht mehr richtig miteinander kommunizieren können und im Laufe der Zeit teilweise absterben.

Leider ist die Alzheimer-Demenz bis heute nicht heilbar. Die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs lässt sich jedoch durch Medikamente zum Teil beeinflussen und auch einige Symptome können behandelt werden.

Es gibt auch andere Formen von Demenz:

  • Vaskuläre Demenz: Sie entsteht durch Gefäßveränderungen im Gehirn. Das können Narben nach einem Schlaganfall sein („Makroangiopathie“) oder kleinere Gefäßschäden im Marklager, der zentralen weißen Substanz des Gehirns („Mikroangiopathie“).

  • Demenz bei Parkinson: Neben motorischen Symptomen wie allgemeine Verlangsamung der Bewegungen oder Zittern der Hände kann im späteren Verlauf der Parkinson-Krankheit auch eine Demenz auftreten.

  • Seltenere Demenzformen: Dazu gehören unter anderem „sekundäre“ Demenzen aufgrund von Stoffwechselstörungen, zum Beispiel bei Vitamin-B12-Mangel oder Schilddrüsenunterfunktion. Auch Hirntumore oder neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose können zu einer demenziellen Entwicklung führen.

Das Alter gilt als wichtigster Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz.

Risikofaktoren, die du nicht beeinflussen kannst

„Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz ist natürlich das Alter“, sagt OÄ Dr. med. Sophie Sauerbruch, Fachärztin für Neurologie im Gesundheitspark Herz-Jesu Wien. „Je älter ein Mensch ist, desto eher kann er an Demenz erkranken.“   
 

Auch das Geschlecht spielt eine Rolle. Frauen sind häufiger von Demenz betroffen, was auch mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammenhängen dürfte. Ebenfalls nicht beeinflussbar sind die ethnische Zugehörigkeit und eine genetische Veranlagung für Demenz. 

Was eine Demenz begünstigt

Hörverlust kann die Entwicklung einer Demenzerkrankung begünstigen (siehe auch Infobox „Hörverlust und Demenz“).

Gleiches gilt für das Rauchen. Es verursacht Gefäßveränderungen, die die eingangs erwähnte vaskuläre Demenz begünstigen. Außerdem entwickeln Raucher*innen leichter eine chronische Lungenerkrankung. „Im Spätstadium funktioniert bei Betroffenen der Gasaustausch oft nicht mehr gut, was sich ebenfalls negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken kann“, erklärt Dr. Sauerbruch.

Foto: Towfiqu barbhuiya – Unsplash

Manche Medikamente können die geistige Leistungsfähigkeit verschlechtern.

Hinzu kommen weitere, sehr individuelle Faktoren. Kopfverletzungen („Schädel-Hirn-Traumata“) zum Beispiel, die die geistige Reserve ebenfalls verringern können. „Es gibt auch viele Medikamente, die die kognitiven Funktionen verschlechtern können“, betont Dr. Sauerbruch. Eine Überprüfung der Medikamentenliste kann oft helfen, diese Einschränkungen zu vermeiden.

Zwischen Depression und Demenz besteht ebenfalls ein Zusammenhang. Eine Depression kann wie eine Demenz erscheinen und wird als „Pseudodemenz“ bezeichnet. Die Betroffenen können sich schlecht konzentrieren und/oder vergessen daher vieles. Die Grunderkrankung dahinter ist allerdings eine Depression, die medikamentös und psychotherapeutisch behandelt werden kann.

Umgekehrt kann eine Depression auch im Frühstadium einer Demenz auftreten.

Was die geistige Fitness fördert

Wie bereits erwähnt, ist das Alter zwar der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung einer Demenz. Doch schon an zweiter Stelle der beeinflussbaren Faktoren steht Studien zufolge ein Aspekt, auf den man von Kindesbeinen an einwirken kann: die Bildung.

„Eine gute Schulbildung in Kindheit und Jugend kann dazu führen, dass die geistigen Reserven eines Menschen größer werden“, erklärt Dr. Sauerbruch.

Schule oder Studium sollten nicht als Schlusspunkt gesehen werden. Lebenslanges Lernen und eine gewisse Neugier sind von Vorteil, wie die Neurologin Dr. Selina Haas aus dem Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Linz betont. „Das Gehirn ist wie ein Muskel. Wenn ich ihn nicht trainiere, lässt auch die Leistungsfähigkeit nach“, erklärt sie und ergänzt: „Deshalb ist es wichtig, sich geistig immer ein bisschen fit zu halten und Hobbys nachzugehen.“ Das kann Singen sein, aber auch das Auffrischen der Sprachkenntnisse von früher.

Foto: Priscilla du Preez – Unsplash

Lernen und sich mit interessanten Themen beschäftigen, hält geistig fit.

Gut für die geistige Fitness sind auch soziale Aktivitäten und Kontakte sowie ausreichend Bewegung und Sport. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung wie die mediterrane Kost kann ebenfalls einen Beitrag dazu leisten, das Demenzrisiko zu senken.

Tipps, um das Demenzrisiko zu senken:

  • Bewege dich regelmäßig.

  • Iss ausgewogen, am besten mediterrane Küche.

  • Rauche nicht, denn das erhöht das Risiko von Gefäßveränderungen und einer damit verbundenen Demenz.

  • Bleib in Kontakt mit anderen Menschen und mach mit bei gemeinsamen Aktivitäten. Das hält dich geistig und emotional fit.

  • Sorge für deine Hörgesundheit und benutze bei Bedarf Hörgeräte. So kannst du dich besser mit anderen verständigen und Isolation und kognitive Beeinträchtigungen vermeiden.

  • Vermeide Kopfverletzungen, indem du dich beim Sport und im Straßenverkehr schützt.

  • Bleibe geistig fit, indem du Sprachen lernst, Hobbys verfolgst oder dich mit anderen interessanten Dingen beschäftigst. Einige Universitäten bieten spezielle Programme für Menschen ab 55 Jahren an, wie etwa die Universität Salzburg oder die Universität Wien.

Hörverlust und Demenz

Wer schlecht hört, hat ein höheres Risiko, an Demenz zu erkranken. Forscher*innen der Universität Leipzig begleiteten 3.500 Senior*innen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Teilnehmer*innen hatten entweder Hör- oder Sehprobleme. Das Erkrankungsrisiko für jene mit einer Hörminderung war um 16 Prozent erhöht. „Der Hörverlust ist ein schleichender Prozess. Er erfordert viel Gehirnschmalz, um aus Geräuschen sinnvolle Informationen herauszufiltern“, sagt Hörgeräteakustiker Werner Knie vom Hörcafé 1170 Wien im Gesundheitspark Göttlicher Heiland Wien. Dieser hohe geistige Aufwand kann dazu führen, dass andere Hirnfunktionen vernachlässigt werden.

Foto: Mark Paton – Unsplash

Abhilfe können Hörgeräte schaffen. Sie sind noch immer mit Vorurteilen behaftet, obwohl sie dank des technologischen Fortschritts und dem unauffälligen Design besser denn je sind. „Es ist wichtig, Hörgeräte frühzeitig zu nutzen, damit sich das Gehirn daran gewöhnt“, erklärt HNO-Arzt Dr. Philipp Wimmer von der Ordination HNO17 im Gesundheitspark Göttlicher Heiland Wien. Längeres Zuwarten erschwert die Anpassung und Wirksamkeit der Geräte. „Eine frühzeitige Nutzung von Hörgeräten kann dem geistigen Abbau entgegenwirken“, so Dr. Wimmer.


Autor
Redaktion Gesundheitspark
Veröffentlichungsdatum
26.06.2024
Foto: Brooke Cagle - Unsplash

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