Sechs Schlafmythen: Was stimmt wirklich?
Vom Schlummertrunk bis zum Powernap: Rund ums Thema Schlaf kursieren viele Tipps, doch nicht alle beruhen auf wissenschaftlichen Fakten. Manche Gewohnheiten, die als schlaffördernd gelten, können sogar das Gegenteil bewirken.
Wir haben nachgefragt: Was stimmt wirklich und was darf getrost ins Reich der Mythen verbannt werden? Antworten geben Matthäus Krol, BSc. MSc. MBA, Schlafexperte und Bereichsleiter des Schlaflabors am Krankenhaus Herz-Jesu Wien, und Mag. Elisabeth Feizelmeier, Psychotherapeutin im Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Linz.
Mythos 1: Ein Glas Wein vor dem Zubettgehen hilft beim Einschlafen.
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Viele schwören auf Alkohol, um schneller zu schlafen. Fakt ist aber: Alkohol wirkt zunächst sedierend, stört später die zweite Nachthälfte. Dein Schlaf wird brüchig, und du wachst nachts häufiger auf.
„Alkohol löst zwar eine leichte Müdigkeit aus, aber er unterdrückt die REM-Schlafphasen“, erklärt Matthäus Krol. „Langfristig erhöht sich so dein Risiko für Schlafstörungen.“
Mythos 2: Wer mehr schläft, ist immer ausgeruhter.
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Mehr Schlaf heißt nicht automatisch besseren Schlaf. Ausschlaggebend ist die Schlafqualität, also wie tief und ungestört du schläfst. Länger zu liegen kann sogar kontraproduktiv sein.
„Zu viel Zeit im Bett kann deine innere Uhr verwirren und zu fragmentiertem Schlaf führen“, warnt Krol.
Mythos 3: Sport kurz vor dem Schlafengehen macht müde.
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Sport erhöht deine Körpertemperatur und den Adrenalinspiegel – beides ist ungünstig vor dem Schlaf. Besser: Moderate Bewegung früh am Abend oder am späten Nachmittag.
„Ein ruhiger Spaziergang oder Yoga entspannt Körper und Geist, ohne das System noch einmal hochzufahren“, rät Elisabeth Feizelmeier.
Mythos 4: Kurze Powernaps tagsüber stören die Nacht.
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Ein zehn- bis zwanzigminütiges Schläfchen kann Wunder wirken, ohne deinen nächtlichen Schlaf zu beeinträchtigen. Länger als 30 Minuten schläfst du tiefer und wachst oft mit Benommenheit auf.
„Powernaps fördern die Konzentration, solange du sie kurz hältst und nicht zu spät am Tag“, so Krol.
Mythos 5: Schnarchen ist harmlos.
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Schnarchgeräusche können auf Atemaussetzer (Apnoen) hinweisen. Unbehandelt führt das zu Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen oder sogar Herz-Kreislauf-Beschwerden.
„Bei regelmäßigem, lautem Schnarchen sollte eine Untersuchung im Schlaflabor erfolgen“, betont Krol. Feizelmeier ergänzt: „Auch Partner*innen leiden oft unter der Geräuschkulisse – das kann Beziehungsspannungen auslösen.“
Mythos 6: Bildschirmlicht abends macht nicht viel aus.
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Blaulicht von Handy, Tablet und Co. hemmt die Melatonin-Produktion und signalisiert deinem Gehirn: Es ist noch Tag. Das verzögert das Einschlafen und verschlechtert die Schlafqualität.
„Idealerweise schaltest du Bildschirme eine Stunde vor dem Zubettgehen aus oder nutzt einen Blaulichtfilter“, empfiehlt Feizelmeier.
Wusstest du, dass ...
… wir rund ein Drittel unseres Lebens schlafen?
… jede*r Vierte in Österreich unter Ein- oder Durchschlafstörungen leidet? (Statistik Austria, 2023)
… schlechter Schlaf das Diabetesrisiko für Typ 2 um bis zu 48 Prozent erhöht? (MedUni Wien, 2022)
Schlaf nachholen?
Nur begrenzt möglich. Zu wenig Schlaf unter der Woche bringt am Wochenende den Biorhythmus aus dem Takt. Der unregelmäßige Schlaf-Wach-Rhythmus führt zu „sozialem Jetlag“. Er erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Konzentrationsprobleme.
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