Jungs, es gibt keine peinlichen Fragen
Zurück zur Übersicht

Jungs, es gibt keine peinlichen Fragen

Nein, die Pubertät an sich ist keine Krankheit, auch wenn sie sich an manchen Tagen wie eine anfühlt. Aber in dieser Lebensphase können intime Fragen oder sogar Beschwerden auftreten. Doch während Mädchen ab der ersten Regelblutung zur Gynäkologin oder zum Gynäkologen gehen, gibt es für Burschen keine offizielle Anlaufstelle. Diese „Versorgungslücke“ können häufig Urologinnen und Urologen schließen.

Aus diesem Grund haben wir mit den Urologen Oberarzt Dr. Mark Koen und Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Bernhard Haid aus unserem Partner-Krankenhaus Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern gesprochen, die drei Gruppen von männlichen Jugendlichen betreuen.

„Die erste Gruppe umfasst alle gesunden Burschen, die einfach Fragen haben, die sie sonst niemandem stellen würden“, erklärt Dr. Haid. „Es geht um die Penisgröße, um das Aussehen der Geschlechtsorgane, um Masturbation, um praktische Probleme beim Geschlechtsverkehr oder mit der Verhütung etc.“ Viele machen sich auch Sorgen, wenn bei Schulkollegen bereits die Pubertät einsetzt, bei ihnen selbst aber (noch) nicht. Dem pflichtet auch Dr. Koen bei. Der Urologe hat schon mehrmals Vorträge zu den erwähnten Themen an Schulen gehalten. Jugendliche konnten dabei anonym Fragen stellen. Übrigens: Wenn du ebenfalls Rat suchst, dann bist du nicht nur bei Mediziner*innen, sondern auch bei diversen (Online-)Informationsangeboten gut aufgehoben (👉 siehe Infobox „Wo du mehr Informationen bekommst“).

Zur zweiten Gruppe zählen Jungs, die tatsächlich gesundheitliche Probleme im Bereich der Geschlechtsorgane haben – etwa bei der Vorhaut. „Wenn das Glied erigiert ist und sich die Vorhaut nicht oder nur unter großen Schmerzen zurückschieben lässt, dann liegt eine Vorhautverengung vor“, erklärt Dr. Koen. Zeigt sich auf der Vorhaut ein weißer Ring, kann das auf eine seltene Autoimmunkrankheit hinweisen. Mehr Informationen findest du hier.

Auch erweiterte Venen am Hodensack bereiten manchmal Probleme. „Diese sind zwar in erster Linie kosmetisch störend und oft mit einem Schweregefühl im Bereich des meist betroffenen linken Hodens verbunden, können aber in weiterer Folge auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen“, betont Dr. Haid. Bei Jugendlichen relativ selten ist der „Wasserbruch“ – dabei sammelt sich übermäßig viel Flüssigkeit im Hodensack an. „Dieser kann beispielsweise durch eine unbemerkte Verletzung beim Fußballspielen oder Fahrradfahren entstehen“, erklärt Dr. Koen. Wichtig: Solltest du Hodenschmerzen haben, dann lass diese immer rasch abklären (siehe unten)!

In die dritte Gruppe fallen alle Patienten mit Fehlbildungen oder Erkrankungen der Geschlechtsorgane, aber auch Jungs mit genetischen Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom. „Diese haben ganz bestimmte Probleme mit der Sexualität und einer ‚normalen‘ Pubertätsentwicklung“, erklärt Dr. Koen. Viele Jugendliche aus dieser Gruppe sind bereits seit ihrer frühesten Kindheit in urologischer Behandlung.

Foto: Joel de Vriend - unsplash

Du hast es in deiner Hand ...

Egal, zu welcher Gruppe du zählst: Deine „Kronjuwelen“ solltest du auch wie solche behandeln. Deshalb drei Tipps, worauf du bei deinem Intimbereich besonders achten solltest.

1. Bei Hodenschmerzen ab ins Krankenhaus!

Bei Hodenschmerzen ist keine Zeit für falsche Scham! Häufig ist der Grund eine Hodenverdrehung („Hodentorsion“). Die ist meist so schmerzhaft, wie es der Name anklingen lässt. Manchmal verursacht sie aber auch nur mäßige Beschwerden. Wichtig ist, dass du dir bei Hodenschmerzen schnell Hilfe holst! Diese müssen innerhalb von 4 bis 6 Stunden von einem Arzt/einer Ärztin abgeklärt werden, um den Hoden noch retten zu können.

2. Taste deine Hoden regelmäßig ab!

Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei jungen Männern. Deshalb solltest du alle zwei Wochen deine Hoden abtasten – denn eine Früherkennung dieser Erkrankung ist der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung. 👉 Hier findest du eine Anleitung.

3. Lass dich gegen HPV impfen!

Humane Papillomviren (kurz HPV) können Gebärmutterhalskrebs, aber auch Krebs im Mund- und Rachenraum, im After und am Penis verursachen. Es gibt aber eine wirksame Impfung dagegen, die auch Jungs nutzen sollten. Warum? Wenn nur Mädchen die Impfung empfohlen wird, sinkt die Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs um ca. 30%. Wenn auch alle Jungs sich impfen lassen, kann diese Erkrankung vollständig verschwinden. Ab Februar 2023 ist die HPV-Impfung in Österreich bis zum vollendeten 21. Lebensjahr kostenlos. Je nach Bundesland kannst du sie bei Hausärztinnen und Hausärzten sowie bei weiteren Impfstellen in Anspruch nehmen.

Wo du mehr Informationen bekommst

Neben Urologen und Urologinnen, First-Love-Ambulanzen und Informationen an den Schulen gibt es auch andere Angebote für Jungs in der Pubertät. Empfehlenswert ist etwa die Broschüre „Gesund ein Mann werden“ der Gesundheitskasse, die du hier als PDF herunterladen kannst. Das Jugendmagazin Bravo hat außerdem gemeinsam mit Mediziner*innen eine Fotogalerie gestaltet, bei der die unterschiedlichen Erscheinungsbilder beim Penis dargestellt und erklärt werden.

Varianten der Geschlechter

Urologinnen und Urologen kümmern sich übrigens auch um Jugendliche, die nicht in die „klassischen” Geschlechterkategorien fallen. Sie unterstützen beispielsweise auch jene mit anderen Varianten der Geschlechtsentwicklung oder intersexuelle Menschen.


Autor
Redaktion Gesundheitspark
Veröffentlichungsdatum
30.01.2023
Themen
Foto: Victor B - unsplash

Deine Expertinnen* und Experten* in diesem Beitrag

Alle Expertinnen* und Experten* anzeigen