Wie du jetzt deine Abwehrkräfte stärkst
Das Immunsystem ist ein beeindruckend komplexes System. Wird unser Körper durch Erreger angegriffen, setzen sich viele Prozesse in Gang, von denen wir viele noch gar nicht verstehen. Dennoch gibt es Möglichkeiten, wie wir unser Immunsystem durch unseren Lebensstil und bewährte Hausmittel gezielt unterstützen können.
Unser Immunsystem arbeitet rund um die Uhr daran, den Körper vor Krankheiten zu schützen. Vereinfacht gesagt, besteht es aus einem Netzwerk aus spezifischen Abwehrproteinen („Antikörper“), Immunzellen („weiße Blutkörperchen“) und Immunorganen wie Mandeln, Milz und Knochenmark. Dringt ein Erreger ein, setzen sich unglaublich komplexe Prozesse in Bewegung (siehe auch Infobox „Buchtipps“). Vieles davon gibt uns bis heute Fragen auf.
Wann gilt das Immunsystem als geschwächt?
Dem Immunsystem ist es zum Glück egal, ob wir es verstehen. Es erfüllt seine Aufgabe meist sehr zuverlässig, vor allem in Zeiten, in denen Erkältungen, Grippe und Co. wieder vermehrt auftreten. „Zwei bis drei Infekte pro Jahr sind völlig normal und Ausdruck eines funktionierenden Immunsystems“, erklärt Dr. Johanna Ertl, Allgemeinmedizinerin im Gesundheitszentrum Ried Neuhofen.
„In dieser Zeit trainieren wir unsere Abwehrkräfte. Ein Körper, der nie an herkömmlichen Infekten erkrankt, könnte auch langfristige Nachteile für unsere Gesundheit haben und Ausdruck eines nicht optimal funktionierenden Immunsystems sein.“
Wenn jedoch Infekte häufig wiederkehren, lange andauern oder Symptome einer herabgesetzten Abwehrkraft wie z. B. rezidivierende Fieberblasen, Gürtelrose oder schlechte Wundheilung auftreten, ist das ein Warnsignal. Dr. Ertl empfiehlt dann, die hausärztliche Praxis aufzusuchen, um mögliche Grunderkrankungen abzuklären. „In diesem Fall wird in der Regel ein Blutbild erstellt und dabei auch der Vitaminstatus überprüft“, erläutert sie. Oft sind es nicht schwerwiegende medizinische Probleme, die zu einem geschwächten Immunsystem führen, sondern ein entsprechender Lebensstil.
„Zwei bis drei Infekte pro Jahr sind völlig normal und Ausdruck eines funktionierenden Immunsystems.“
Dr. Johanna Ertl,
Allgemeinmedizinerin,
Gesundheitszentrum Ried Neuhofen
Foto: Maria Gadringer
Was das Immunsystem beeinflusst
Natürlich gibt es Faktoren, etwa bestimmte Erkrankungen, die du kaum oder gar nicht beeinflussen kannst. Dennoch kann der Lebensstil viel dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken.
Ernährung
Die eigenen Karotten sind immer die besten
Eine ausgewogene Ernährung ist der Schlüssel zur Versorgung mit wichtigen Vitaminen (u.a. A, B, C, D und E) sowie Spurenelementen (wie etwa Zink, Kupfer, Selen und Eisen). Allerdings betont Dr. Ertl: „Wenn Obst und Gemüse im unreifen Zustand geerntet werden, dann haben diese definitiv nicht denselben Vitamingehalt wie etwa Karotten, die im eigenen Garten angebaut werden.“ Frische, lokal angebaute Nahrungsmittel sind in der Regel nährstoffreicher.
In Zeiten, in denen unser Körper besonderen Anforderungen ausgesetzt ist, empfiehlt Dr. Ertl die Einnahme von hochwertigen Vitaminpräparaten, die ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe enthalten, da diese vom Körper aufgrund der naturidenten Molekülmatrix besser integriert werden können. Eine bessere Aufnahme ist damit gewährleistet.
Schlaf
Gute Nacht, Erreger!
Ausreichender Schlaf ist ein weiterer entscheidender Faktor für das Immunsystem. „Ein wichtiger Parameter für gesunden Schlaf ist, dass sich der Mensch in der Früh erholt fühlt“, erklärt Dr. Ertl. Die „richtige“ Schlafdauer ist für jeden Menschen unterschiedlich – als Richtwert gelten 7 bis 9 Stunden. Mehrere Studien legen nahe, dass Menschen, die nicht genügend Schlaf bekommen, ein zwei- bis viermal höheres Risiko haben, an Erkältungen zu erkranken, als Menschen, die ausreichend schlafen.1,2
Bewegung
Wieder schneller auf den Beinen
Bewegung hat – neben vielen anderen Vorteilen – auch einen positiven Einfluss auf das Immunsystem. Mehrere Studien zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität zwar keine Atemwegsinfekte verhindern kann, aber die Schwere und Dauer von Erkältungen verringert. Mit anderen Worten: Sportler*innen werden genauso oft krank wie Sportmuffel, aber in der Regel schneller wieder gesund.3
Findet der Sport im Freien statt, profitiert der Körper zusätzlich. „Bewegung an der frischen Luft fördert nicht nur das Wohlbefinden, die Sonne ist auch essenziell für die Vitamin-D-Produktion – und dieses Vitamin ist wiederum wichtig für das Immunsystem“, so Dr. Ertl.
Psyche
Der „ganz normale“ Alltag?
Ein oft übersehener Aspekt ist der Einfluss der Psyche auf unser Immunsystem. „Chronischer, unterschwelliger Stress kann das Immunsystem schwächen“, warnt Dr. Ertl. Dieser Stress, den wir oft schlicht als „den normalen Alltag“ wahrnehmen, erhöht den Cortisolspiegel im Körper.
Cortisol ist ein Stresshormon, das dämpfend auf das Immunsystem wirkt. „Steigt der Cortisolspiegel zu stark an, hat das negative Auswirkungen – die Produktion von Immunzellen wird unterdrückt, was zu erhöhten Entzündungsreaktionen führt“, erklärt Dr. Ertl. Langfristig kann dies zu einem Teufelskreis führen, in dem psychischer Stress das Immunsystem schwächt, was wiederum zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen führt.
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Eine Salzwasserinhalation muss zweimal am Tag für jeweils 15 bis 20 Minuten durchgeführt werden, damit sie Wirkung zeigt.
Hausmittel: Manchmal die einfachste Lösung
Um das Immunsystem zu stärken oder um schneller wieder gesund zu werden, kursieren viele Hausmittel. Die einen schwören auf Saunagänge, um sich abzuhärten – wozu allerdings derzeit noch wissenschaftliche Belege fehlen.4 Andere versuchen ihr Glück mit Vitamin C und Zink. Laut Studien könnten beide die Dauer einer Erkältung zumindest ein wenig verkürzen.5,6
Dr. Ertl, Mitautorin des Buchs „Alte Hausrezepte neu entdeckt“ (siehe Infobox „Buchtipps“), verweist auf eines der einfachsten, jedoch oft unterschätzten Hausmittel bei Erkältungen: die Salzwasserinhalation.
„Damit diese ihre Wirkung zeigt, muss sie zweimal am Tag für jeweils 15 bis 20 Minuten durchgeführt werden“, betont Dr. Ertl. Die Salzwasserinhalation hilft, Schleim zu lösen und unterstützt eine schnellere Heilung. Auch traditionelle Hausrezepte wie der Kartoffelwickel bei Bronchitis oder der Leinsamenwickel bei Stirnhöhlenentzündungen haben ihre Berechtigung.
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Spätestens wenn Kinder zunehmend weniger trinken und spielen, dafür umso mehr schlafen, sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden.
Grenzen der Hausmittel
Es ist wichtig zu betonen, dass Hausmittel nicht immer ausreichen. Bei ernstzunehmenden Beschwerden wie beispielsweise Atemnot, Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen, neurologischen Beschwerden und hartnäckigem Fieber ist ein Besuch in der Arztpraxis unerlässlich, um sicherzustellen, dass keine ernsthaften Erkrankungen vorliegen.
Speziell bei Kindern sollten die Alarmglocken läuten, wenn sie zunehmend weniger trinken und spielen, dafür umso mehr schlafen. „Schwerer erkrankte Kinder sind oft sehr ruhig und teilnahmslos“, betont Dr. Ertl.
Fünf Tipps für dein Immunsystem
Achte auf eine ausgewogene Ernährung, um dein Immunsystem optimal mit Vitaminen zu versorgen. Wenn du in Zeiten besonderer Anforderungen ein Vitaminpräparat nehmen willst, greife ausschließlich zu hochwertigen Produkten, die ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe enthalten.
Sorge für ausreichend Schlaf, um dein Immunsystem zu stärken und dich erholt zu fühlen.
Bewege dich regelmäßig und nutze die Zeit draußen, um die Vitamin-D-Produktion durch Sonnenlicht zu unterstützen.
Versuche, chronischen Stress zu reduzieren, um den Cortisolspiegel zu senken.
Probiere bei einer Erkältung (zusätzlich) immer einfache Hausmittel wie Salzwasserinhalationen, Kräutertees, Gurgeln, verschiedene Wickel usw. aus. Führe diese Methoden konsequent mehrmals täglich durch, damit sie auch ihre Wirkung zeigen können.
Quellen
1) https://natuerlich.thieme.de/therapieverfahren/praevention/detail/schlaf-staerkt-das-immunsystem-1892
2) https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159124002575?via%3Dihub
3) https://medizin-transparent.at/sport-immunsystem/
4) https://medizin-transparent.at/staerkt-die-sauna-das-immunsystem/
5) https://medizin-transparent.at/vitamin-c-beinahe-nutzlos-gegen-erkaltungen
6) https://medizin-transparent.at/zink-erkaeltung
Buchtipps
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Der Gesundheitspark Barmherzige Schwestern Ried hat einfache Hausmittel zur Selbsthilfe bei leichten Erkrankungen gesammelt und als Buch herausgegeben.
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Foto: Ullstein Verlag
Immun
Alles über das faszinierende System, das uns am Leben hält
Philipp Dettmer ist der kreative Kopf hinter dem erfolgreichen YouTube-Kanal „kurzgesagt – in a nutshell“. In seinem Buch „Immun“ präsentiert er das komplexe Thema Immunsystem wie einen aufregenden Science-Fiction-Blockbuster.
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