Männergesundheit: Zu wichtig, um sie zu ignorieren
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Männergesundheit: Zu wichtig, um sie zu ignorieren

November ist „Movember“ – der Monat der Männergesundheit. Viele lassen sich in dieser Zeit einen Schnurrbart wachsen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Wir erklären, worauf Männer achten sollten und warum Vorsorge so wichtig ist.

Gladiatoren, Legionäre, Kaiser – einem fragwürdigen TikTok-Trend zufolge denken angeblich viele Männer regelmäßig ans Römische Reich.1 Deutlich seltener dürften sie ihre Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und die Gesundheit richten – und dazu gibt es handfeste Daten:

Laut ÖGK-Gesundheitsbarometer2 nahm im Jahr 2022 nur etwa jeder achte Mann in Österreich (12 %) eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch. Immerhin ist ein positiver Trend erkennbar – auch dank Aktionsmonaten wie dem „Movember“, die das Bewusstsein für Männergesundheit stärken.

„Vorsorge ist bei vielen Männern immer noch ein rotes Tuch. Kaum ein Vater geht mit seinem Sohn zum Urologen oder zur Urologin.“

OA Dr. Markus Preischer, FEBU,
Facharzt für Urologie und Andrologie,
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried

Foto: KH BHS Ried/Hirnschrodt

„Vorsorge ist bei vielen Männern immer noch ein rotes Tuch“, beobachtet auch OA Dr. Markus Preischer, FEBU, Facharzt für Urologie und Andrologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried. „Meine Frau ist Gynäkologin – wenn ich sehe, wie selbstverständlich ihre Patientinnen mit dem Thema umgehen, fällt der Unterschied besonders auf.“ Ein Grund dafür liegt in der Sozialisation: „Die Vorsorge bei Männern startet viel später, kaum ein Vater geht mit seinem Sohn zum Urologen oder zur Urologin. Ganz anders bei Töchtern, da ist es völlig normal, dass die Mutter sie zum ersten Gyn-Besuch begleitet.“

Es ist also höchste Zeit, dass Männer aufholen. Mit regelmäßiger Vorsorge, einem stärkeren Gesundheitsbewusstsein und weniger falscher Scham ließen sich viele Erkrankungen früher erkennen, unnötiges Leid vermeiden und zugleich weitverbreitete Unkenntnisse und Missverständnisse abbauen.

Prostata: Nicht warten, bis es zu spät ist

„Typische Beschwerden wie nächtlicher oder ständiger Harndrang sowie plötzlicher Harnverlust entwickeln sich meist schleichend. Viele Betroffene gewöhnen sich daran und suchen erst sehr spät ärztliche Hilfe“, erklärt Dr. Preischer. In der Urologie werden diese Probleme unter dem Begriff LUTS („Lower Urinary Tract Symptoms“) zusammengefasst. Häufige Ursache ist eine gutartige Prostatavergrößerung, medizinisch „benigne Prostatahyperplasie“ genannt. Die Vergrößerung selbst ist keine Erkrankung, sondern Teil des natürlichen Alterungsprozesses.

Foto: iStock - eugenekeebler

Beschwerden wie etwa nächtlicher Harndrang entwickeln sich meist schleichend. Oft steht eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter.

„Eine urologische Praxis sollte aufgesucht werden, sobald erste Beschwerden auftreten – nicht erst, wenn ein Dauerkatheter nötig wird“, betont der Urologe. Zwar sind selten auch jüngere Männer betroffen, in der Regel treten Symptome jedoch ab dem 50. Lebensjahr auf. Die Bandbreite der Therapiemöglichkeiten reicht – je nach Schweregrad – von Medikamenten bis hin zu operativen Eingriffen.

Neben der gutartigen Prostatavergrößerung gibt es auch eine bösartige. Der Prostatakrebs zählt zur häufigsten Krebsart überhaupt. Die Vorteile einer frühzeitigen Diagnose sind laut Dr. Preischer enorm: „Es gibt kaum eine andere Krebsart, bei der es einen so gravierenden Unterschied macht, ob sie früh erkannt wird oder erst in einem fortgeschrittenen Stadium. Wird Prostatakrebs rechtzeitig diagnostiziert, ist er heilbar“, betont der Mediziner.

Foto: iStock - peakSTOCK

Eine Prostatauntersuchung umfasst u. a. einen Ultraschall. Das an sich recht harmlose Abtasten mit dem Finger ist häufig nicht mehr notwendig.

Die erste Prostata-Untersuchung sollte im Alter von 45 Jahren erfolgen. „Bei familiärer Vorbelastung empfehle ich, bereits mit 40 Jahren damit zu beginnen“, unterstreicht Dr. Preischer. Die Untersuchung umfasst in der Regel einen Ultraschall, eine Untersuchung der Geschlechtsorgane sowie eine Blutabnahme.

Wichtig zu wissen: Die früher übliche digital-rektale Untersuchung – das Abtasten der Prostata über den Enddarm – ist heute in vielen Fällen nicht mehr notwendig. „Studien zeigen, dass wir über die Bestimmung des PSA-Werts im Blut einen sehr zuverlässigen Vorhersagewert erhalten. So können wir auf die unangenehme Untersuchung verzichten, ohne ein Risiko einzugehen, fortgeschrittenen Prostatakrebs zu übersehen“, erklärt Dr. Preischer.

Hodenkrebs: Die Vorsorge selbst im Griff

Hodenkrebs wächst extrem schnell – innerhalb von wenigen Wochen“, erklärt Dr. Preischer. Daher sei eine klassische Vorsorgeuntersuchung nur bedingt sinnvoll. Der Schlüssel zur Früherkennung liege in der regelmäßigen Selbstuntersuchung.

„Wir hatten bereits 17-jährige Patienten, am häufigsten tritt Hodenkrebs aber um das 25. Lebensjahr auf”, so der Urologe und verweist darauf, wie wichtig es ist, die Hoden regelmäßig selbst zu untersuchen: „Die meisten Betroffenen kommen zu uns, weil sie selbst einen Knoten ertastet haben. In einem solchen Fall sollte man unbedingt – am besten noch am selben oder spätestens am nächsten Tag – ärztlichen Rat einholen.“

Die Heilungschancen bei Hodenkrebs sind zum Glück gut: „Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten, insbesondere der modernen Chemotherapie, können wir rund 97 % der Patienten heilen“, betont Dr. Preischer.

Peniskrebs: HPV-Impfung schützt

Peniskrebs kommt zum Glück selten vor. „Aber wenn er auftritt, ist er meist sehr aggressiv und im fortgeschrittenen Stadium nur schwer behandelbar“, erklärt Dr. Preischer. Dabei ließe sich diese Tumorart in vielen Fällen verhindern: „Das ist eigentlich ein Krebs, den es gar nicht geben müsste.“

Foto: CDC – Unsplash (Archivbild aus dem Jahr 2019)

Die HPV-Impfung sollte im Idealfall bereits im Kindesalter erfolgen.

Die Hauptursache für Peniskrebs ist eine Infektion mit bestimmten Typen des Humanen Papillomvirus (HPV). Rund 80 % der österreichischen Bevölkerung tragen HPV in sich. „Die HPV-Impfung schützt nicht nur Frauen vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch Männer vor Peniskrebs“, betont Dr. Preischer. Seine Empfehlung: „Nicht nur jede Frau, sondern auch jeder Mann unter 30 sollte sich impfen lassen – idealerweise bereits im Kindesalter vor dem ersten Geschlechtsverkehr.“

Phimose & Balanitis: Zu eng ist weitverbreitet

Eine Vorhautverengung (medizinisch „Phimose“) betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern tritt auch im Erwachsenenalter häufig auf. „Gerade bei Männern mit Diabetes sehen wir das oft“, erklärt Dr. Preischer.

Sein Appell: „Bei Problemen mit der Vorhaut sollte man sich nicht schämen, sondern eine urologische Praxis aufsuchen. Viele Fälle lassen sich unkompliziert behandeln.“ Liegt die Ursache in einer Zuckererkrankung, kann bereits eine Anpassung der Medikation Abhilfe schaffen. Manche Diabetes-Medikamente fördern nämlich die Ausscheidung von Zucker über den Urin, was manchmal zu entsprechenden Beschwerden an der Vorhaut führt. In anderen Fällen kann eine Beschneidung sinnvoll oder notwendig sein. Dabei wird die Vorhaut operativ entfernt, sodass die Eichel dauerhaft freiliegt.

Auch Männer, die unter der chronischen Hauterkrankung Lichen sclerosus leiden, können von einer Beschneidung profitieren. „Bei dieser Erkrankung wird die Vorhaut weißlich, schrumpft, reißt leicht ein und ist oft trocken oder schmerzhaft“, erklärt Dr. Preischer. Nach sexueller Aktivität berichten Betroffene häufig über ein brennendes, wundes Gefühl. Ist die Eichel selbst betroffen, kommen spezielle Salben zum Einsatz.

Eine Phimose und ein schlecht eingestellter Diabetes können zudem Entzündungen begünstigen – etwa eine Balanitis (Eichelentzündung) oder eine Balanoposthitis (Entzündung von Eichel und Vorhaut). Verursacht werden sie meist durch Bakterien oder Pilze, manchmal aber auch durch unzureichende oder übertriebene Intimhygiene. Auch hier können Salben helfen – je nach Ursache etwa mit Kortison oder einem pilzhemmenden Wirkstoff.

Erektionsstörungen: Tabuthema, das keines sein sollte

Bei einer Erektionsstörung („erektile Dysfunktion“) ist es über einen längeren Zeitraum hinweg nicht möglich, eine Erektion des Penis zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht. „Wenn es für den Patienten nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte, muss eine urologische Fachärztin oder ein Facharzt aufgesucht werden“, betont Dr. Preischer. Dabei weist er auch darauf hin, dass sich Sexualität im Laufe des Lebens verändert: „Für einen 18-Jährigen bedeutet sie etwas anderes als für einen 30- oder 70-Jährigen.“

Oft hilft eine medikamentöse Behandlung. Reicht diese nicht aus, stehen auch andere Optionen, wie Injektionstherapien, zur Verfügung. Dabei wird ein Wirkstoff mit sehr feinen Nadeln direkt in den Schwellkörper gespritzt. Die Injektionen können sich Betroffene selbst verabreichen.

Foto: felirbe – Unsplash

Stress und psychische Belastungen, wie Depressionen, können sich negativ auf die Erektionsfähigkeit auswirken.

Erektionsstörungen weisen mitunter auf andere gesundheitliche Probleme hin, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder – häufig unterschätzt – psychische Belastungen wie Depressionen. Auch schwere Erkrankungen wie Krebs und deren Behandlungen können die sexuelle Funktion beeinträchtigen. „Sexualität bei Krebserkrankungen oder anderen chronischen Leiden ist nach wie vor ein Tabuthema – und das sollte es nicht sein“, sagt Dr. Preischer.

Penisverkrümmung: Mehr als nur „Links- oder Rechtsträger“

Gleich vorweg, für alle Männer, die sich Gedanken machen: „Eine minimale Penisverkrümmung hat fast jeder“, sagt Dr. Preischer. Doch in manchen Fällen ist die Krümmung so stark, dass Geschlechtsverkehr kaum oder gar nicht möglich ist – und das kommt häufiger vor, als man denkt.

Ursache der Verkrümmung sind meist sogenannte Plaques – das sind Ablagerungen im Bindegewebe, die nach kleinsten Verletzungen entstehen können. Dieses vernarbte Gewebe zieht sich zusammen und verursacht die Krümmung. In besonders ausgeprägten Fällen kann der Penis um bis zu 90 Grad abgewinkelt sein. Die Erkrankung trägt den medizinischen Namen Induratio penis plastica (IPP), auch bekannt als Peyronie-Krankheit. „Behandlungsbedürftig ist sie nur, wenn der Patient sie als belastend empfindet“, betont Dr. Preischer.

Foto: istock - Satjawat Boontanataweepol

Eine leichte Penisverkrümmung hat fast jeder Mann. Ist sie jedoch so stark ausgeprägt, dass sie den Geschlechtsverkehr beeinträchtigt, gibt es verschiedene Behandlungsoptionen.

Betroffenen stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. In den meisten Fällen wird zunächst eine konservative, also nicht-operative Therapie angestrebt – etwa mit Stoßwellenbehandlung. Zeigt diese keine ausreichende Wirkung, kann ein operativer Eingriff notwendig sein: Entweder werden die Plaques entfernt oder das Gewebe auf der Gegenseite verkürzt, um die Krümmung auszugleichen. Diese Eingriffe, speziell das operative Entfernen der Plaques, können allerdings das Risiko mit sich bringen, die Erektionsfähigkeit zu verlieren.

Penisvergrößerung: Fast immer unnötig

Operationen zur Penisvergrößerung sind ein besonders sensibles Thema. „Gerade hier ist es wichtig, dass sich Patienten an Mediziner*innen wenden, die in einem ehrlichen Gespräch erklären, was als normale Penisgröße gilt – und was nicht“, sagt Dr. Preischer. „Vor allem junge Männer haben oft völlig unrealistische Vorstellungen – geprägt durch Medien.“

Foto: Fabrizio Garrisi, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Männliche Selbstbilder im Wandel der Zeit: Die Statue eines Diskuswerfers im Vatikanischen Museo Pio-Clementino verkörpert das männliche Ideal des Römischen Reiches.

„Behandlungsbedürftig ist im Grunde nur ein sogenannter Mikropenis und dieser ist extrem selten“, betont Dr. Preischer und ergänzt: „Alles andere fällt unter die ganz normale Bandbreite menschlicher Vielfalt. Jeder Mensch ist anders – und das ist vollkommen normal.“

Fünf Tipps für mehr Männergesundheit

  1. Prostatabeschwerden nicht ignorieren: Achte auf Symptome wie häufigen oder nächtlichen Harndrang und suche frühzeitig einen Arzt/eine Ärztin auf. Das spart dir später viele Einschränkungen!

  2. Prostatakrebs frühzeitig erkennen: Gehe ab dem 45. Lebensjahr zur Prostatakrebs-Früherkennung, bei familiärer Vorbelastung schon ab 40. Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Übrigens: Ein Abtasten der Prostata mit dem Finger ist in vielen Fällen nicht mehr notwendig!


  3. Hodenkrebs frühzeitig erkennen: Untersuche deine Hoden regelmäßig selbst auf Knoten oder Veränderungen. Wenn du etwas Auffälliges findest, dann suche spätestens am Folgetag einen Urologen/eine Urologin auf.


  4. Lass dich gegen HPV impfen: Wenn du unter 30 bist, kannst du dich – Stand: Oktober 2025 –noch kostenlos gegen HPV impfen lassen. Das beugt u. a. Peniskrebs vor.


  5. Beschwerden, die dir unangenehm sind: Egal, ob Vorhautverengung, Eichelentzündung, aber auch bei Problemen mit der Erektion oder einer starken Penisverkrümmung – du bist nicht alleine. Fachärztinnen* und Fachärzte* der Urologie sind deine Ansprechpersonen in diesen Fällen!

Für alle Männer des Jahrgangs 1980...

... gibt es bei der Langen Nacht der Urologie am 10. November 2025 von 17 bis 21 Uhr die Möglichkeit, den ersten Prostatacheck in einer der teilnehmenden Ordinationen durchzuführen. Es ist keine Terminvereinbarung nötig.

Mehr Informationen auf www.loosetie.at

Autor
Gregor Matheis / Redaktion Gesundheitspark
Veröffentlichungsdatum
28.10.2025
Themen
Headerfoto: Tom Prejeant - Unsplash

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